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80.000 Globalisierungskritiker treffen sich beim Davos-Gegengipfel

Author: dpa/clu, Die Welt
Date: January 23, 2007
Source: Welt Online http://www.welt.de/print-welt/article710749/80.000_Globalisierungskritiker_treffen_sich_beim_Davos-Gegengipfel.html


Auf dem Weltsozialforum in Nairobi treffen sich die Globalisierungsgegner und dem Veranstaltungsmotto: "Eine gerechtere Welt ist möglich". Dabei geht es um den Kampf gegen die Armut, Aids und Umweltschutz.

Das als Gegengipfel zu Davos konzipierte Weltsozialforum (WSF) findet dieses Jahr erstmals in Afrika statt. In Kenias Hauptstadt Nairobi haben sich am Wochenende rund 80 000 Globalisierungskritiker eingefunden. Zum Auftakt nahmen mehr als 10 000 Menschen an einem Demonstrationszug von einem der größten Armenviertel Afrikas Richtung Stadtzentrum teil.

Das Forum gilt als Plattform für den Widerstand gegen neoliberale Bestrebungen. Ziel der Teilnehmer ist der Kampf für mehr Gerechtigkeit im Welthandel und einen besseren Schutz der Umwelt sowie gegen Armut und Krieg. Schwerpunkt des diesjährigen WSF ist Afrika als ärmster Kontinent der Welt. So wollen die Teilnehmer über die Bekämpfung der dort besonders grassierenden Aids-Epidemie, die Lösung regionaler Konflikte, die Verschuldungsproblematik und Wanderungsbewegungen diskutieren.

Prominenteste Teilnehmer sind der südafrikanische Bischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und die kenianische Nobelpreisträgerin Wangari Maathai. Auch die ehemalige Uno-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson, Winni Mandela - Ex-Ehefrau des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela - sowie der prominente französische Globalisierungskritiker José Bové haben sich angesagt. Das Programm in Nairobi umfasst mehr als 1000 Veranstaltungen, in erster Linie Diskussionsforen über Handel, Landbesitz, Aids, Schuldenerlass und Migration.

"Das Wichtigste ist, dass diese Themen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden", sagte Vita Ramazzo, eine der Organisatorinnen. Eine gemeinsame Stellungnahme wird es nicht geben.

Das WSF wird seit seiner ersten Auflage 2001 im brasilianischen Porto Alegre denn auch für die teilweise unterschiedlichen bis widersprechenden Interessen der Teilnehmer kritisiert. Einigendes Band für das bunte Spektrum der Davos-Gegner, darunter Gewerkschafter, Umweltschützer und Feministinnen, ist einzig eine 2001 beschlossene "Charta der Prinzipien".

In den Vorjahren wurde das Forum von linksgerichteter Politprominenz wie dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chaves und dem brasilianischen Staatschef Luiz Inacio Lula da Silva besucht. 2003 eröffnete Lula zuerst das WSF, bevor er neben Ex-US-Aussenminister Colin Powell seinen großen Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos hatte.

Auch diesmal wollen ganz unterschiedliche Gruppen den Schwachen eine Stimme geben: "Wir sind hier, um Afrika zu helfen, Gewerkschaften zu gründen", sagte Bruno Dalaberto vom französischen Gewerkschaftsbund CGT. Derweil protestierten Abtreibungsbefürworter gegen die "Fundamentalisten", die Verhütung verböten und so den Vormarsch von Aids begünstigten. "Hier sind alle verlorenen Fälle vertreten, doch wenn wir uns vereinigen, können wir die Dinge verändern", sagte Samuel Muthusi, einer der Organisatoren des Weltsozialforums.

Aus Deutschland beteiligen sich rund 30 Organisationen, unter ihnen das Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes und Attac.