Aktionspläne für eine andere Welt
Author: Martin Maier, Katholische Nachrichten Agentur
Date: Januar, 2007
Source: Martin Maier - not available online
Nairobi (KNA) Chico Whitaker kann auch beim Signieren seines neuen Buchs noch Fragen beantworten: "Ein großer Erfolg und eine Demonstration der Stärke und der Vitalität der sozialen Bewegungen Afrikas", so bilanziert der Träger des Alternativen Nobelpreises das am Donnerstag beendete 7. Weltsozialforum von Nairobi. Der Brasilianer mit weißem Bart gehört zu den Gründungsfiguren des alternativen Globalisierungsgipfels, wo in den vergangenen Tagen Zehntausende Aktivisten Wege zu einer gerechten und solidarischen Globalisierung suchten.
Auch die frühere UN-Menschenrechts-Hochkommissarin Mary Robinson beurteilte das Weltsozialforum sehr positiv. Im Vergleich zu früheren Versammlungen in Porto Alegre und Bombay sei hier der Bereich über die Menschenrechte am besten organisiert gewesen. Der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte sie, dass sie Erfahrungen und Ergebnisse von Nairobi zum parallel tagenden Weltwirtschaftsforum nach Davos mitnehmen wolle.
Das große Moi-Fußballstadion am westlichen Rand Nairobis bot gute Voraussetzungen für die fünftägige Versammlung mit über 50.000 Teilnehmern. Weitgehend blauer Himmel und angenehme Temperaturen trugen das ihre zur guten Stimmung bei. Mehr als 1.000 Workshops fanden in unterteilten Räumen auf den Tribünenrängen statt. In einem weiteren Kreis um das Stadion waren die Stände unterschiedlicher Initiativen und thematisch orientierte Zelte aufgebaut.
Statt nur Thesenpapiere und Appelle zu entwerfen, versuchte der Gipfel, konkrete Schritte für eine gerechte Globalisierung zu planen. Und so wurden am vorletzten Tag unter 21 Themenblöcken Handlungsvorschläge beschlossen. Kaum zufällig stand dabei das Thema Wasser an erster Stelle. Weltweit wird die Verknappung und Privatisierung des Wassers zu einem immer drängenderen Problem. So kam es in Nairobi zur Gründung eines ökumenischen afrikanischen Wassernetzwerks, das das Recht auf Wasser als Menschenrecht einfordert.
Ganz konkret zeigt sich die Problematik auch auf dem Forum selbst. Ein halber Liter Wasser wurde für 50 Kenia-Schillinge, umgerechnet etwa 60 Eurocent verkauft - unerschwinglich für die meisten Kenianer. Immer lautstarker wurden die Proteste: "Wasser umsonst für die Kenianer!" Und am Mittwoch plünderten etwa 40 Demonstranten aus einem Elendsviertel das Essenszelt eines exklusiven Golf-Clubs mit der Begründung: "Wir sind hierher gekommen, um unsere Probleme zu präsentieren, und treffen auf die großen Bosse, die hier Essen zu völlig überhöhten Preisen verkaufen."
Gerechtigkeit und Einhaltung der Menschenrechte bei der Ausbeutung von Rohstoffen in den armen Ländern forderte eine vom Netzwerk katholischer Hilfsorganisationen CIDSE vorgestellte Resolution. Adressaten sind Regierungen, transnationale Unternehmen, die internationalen Finanzinstitutionen und die UNO. Bei den Veranstaltungen mit deutscher Beteiligung war besonders der nächste G-8-Gipfel im Juni in Heiligendamm im Blick. Michael Mondry vom katholischen Hilfswerk Misereor kündigte an, die Forderungen von Nairobi an das Gipfeltreffen der reichen Industriestaaten in Deutschland weiterleiten zu wollen.
Noch stärker als in den vorausgehenden Jahren hatte das Weltsozialforum in Nairobi ein religiöses Gesicht. Hier spiegelte sich die Lebendigkeit und Buntheit afrikanischer Religiosität. Erstmals gab es eine ökumenische Plattform von Caritas Internationalis, der Gesamtafrikanischen Konferenz der Kirchen (AACC) und des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Eröffnet wurde sie vom südafrikanischen Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu. Während der gesamten Tage fanden gemeinsame Veranstaltungen und Gottesdienste in zwei ökumenischen Zelten statt.
Chico Whitaker hofft, dass das Forum in Nairobi mit seinen Aktionsvorschlägen eine Fortsetzung auf lokaler Ebene findet. Daher soll es im nächsten Jahr kein zentrales Forum geben. Erst 2009 möchte man sich wieder zu einem Weltforum treffen. Über den Ort ist noch keine Entscheidung gefallen.
